Hundeschule. Hundepension. Hundesport. Ein Leben mit und für ihre Vierbeiner.
Rund 15 Millionen Schritte legt Tina in einem Jahr zurück – gemeinsam mit ihren eigenen Hunden und den vielen Vierbeinern, die sie täglich begleiten. Eine Zahl, die ziemlich gut beschreibt, wie viel Herzblut, Erfahrung und Leidenschaft in ihrer Arbeit stecken.
Ihr persönliches Herzenscredo dabei lautet:
Echte Teamarbeit beginnt mit Vertrauen.
Und wenn du selbst in deinem Alltag mit Hund schon einmal gedacht hast: „Mehr geht nicht“, dann lies unbedingt weiter. Denn Tina würde vermutlich schmunzeln und sagen: „Doch. Da geht noch mehr.“
Wer ist Tina Nicht und was steckt hinter „Bei Nicht's geht mehr“?
Tina Nicht ist Hundetrainerin, Betreiberin der Hundepension und Hundeschule „Bei Nicht's geht mehr“, Leistungsrichterin im Turnierhundesport und CaniCross-Beauftragte im DHV. Kurz gesagt: Während andere noch überlegen, ob 10.000 Schritte am Tag viel sind, hat Tina vermutlich schon die zweite große Hunderunde hinter sich.
Im Interview spricht sie über Eingewöhnung in der Hundepension, typische Fütterungsfehler, sinnvolle Nahrungsergänzung beim Hund, gesunde Sporthunde und die Frage, warum fairer Hundesport immer wichtiger sein sollte als die nächste Medaille.
Marcel:
Für alle, die bisher erfolgreich unter einem Stein gelebt haben: Wer bist du – und was genau ist „Bei Nicht's geht mehr“?
Tina:
Ich bin Tina und Hunde spielen in meinem Leben eigentlich schon immer eine zentrale Rolle. Meinen ersten eigenen Hund – Aaron, einen Husky-Schäferhund-Mix aus dem Tierheim – habe ich mit zwölf Jahren bekommen. Seitdem hat mich das Thema Hund nie wieder losgelassen. Ehrlich gesagt habe ich wahrscheinlich mehr Zeit auf Hundeplätzen verbracht als irgendwo sonst.
Heute betreibe ich die Hundepension und Hundeschule „Bei Nicht's geht mehr“, bin Leistungsrichterin im Turnierhundesport und CaniCross-Beauftragte im DHV. Außerdem trainiere und starte ich selbst aktiv im Hundesport. Beruf und Hobby lassen sich bei mir deshalb kaum voneinander trennen – und genau das liebe ich daran.
Mit „Bei Nicht's geht mehr“ habe ich einen Ort geschaffen, an dem Hunde nicht einfach nur betreut werden. Mir ist wichtig, jeden Hund individuell zu betrachten. Manche brauchen Bewegung und Beschäftigung, andere vor allem Ruhe, Struktur und Sicherheit. Gute Betreuung bedeutet für mich, den Hund so zu nehmen, wie er ist, und ihn genau dort abzuholen.
Ich liebe es, Verhalten zu beobachten, Zusammenhänge zu erkennen und für jeden Hund den passenden Weg zu finden. Wahrscheinlich bin ich deshalb wirklich ein kleiner Hunde-Nerd – und ich könnte mir ehrlich gesagt keinen schöneren Beruf vorstellen.
Marcel:
Hunde-Nerd mit Ansage: Bei welchem Thema merkst du erst drei Stunden später, dass du eigentlich nur kurz etwas erklären wolltest?
Tina:
Tatsächlich gibt es da nicht nur ein Thema. Ich bin einfach Vollblut-Hundesportlerin. Mein Herz schlägt ganz klar für den Turnierhundesport – und dort besonders für den Zughundesport mit CaniCross, Bikejöring und Dogscooter. Was mich daran begeistert, ist nicht nur die sportliche Leistung. Mich fasziniert die enge Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund. Ein gutes Team erkennt man nicht daran, dass der Hund einfach nur schnell läuft. Wahre Teamarbeit entsteht durch Vertrauen, gegenseitiges Verständnis und eine faire Kommunikation. Genau dafür schlägt mein Herz.
Zusätzlich begeistern mich Verhalten, Lerntheorie sowie die innerartliche Kommunikation und das Sozialverhalten von Hunden. Für mich beginnt gutes Training lange vor dem eigentlichen Sport. Alltagstauglichkeit, eine stabile Mensch-Hund-Beziehung und ein Hund, der versteht, was von ihm erwartet wird, sind die Grundlage für alles Weitere.
Ich stehe für ein faires und nachhaltiges Training. Mir geht es nicht um kurzfristige Erfolge oder schnelle Lösungen. Mein Ziel ist es, Hunde körperlich und mental gesund zu halten und gemeinsam mit ihren Menschen langfristig als Team zu wachsen. Über all diese Themen könnte ich wahrscheinlich stundenlang sprechen, ohne zu merken, wie die Zeit vergeht.
Hundepension: Was Hundehalter häufig unterschätzen
Marcel:
Hundepension ohne Instagram-Filter: Was unterschätzen Halter körperlich und mental, wenn ihr Hund mehrere Tage in Betreuung ist?
Tina:
Prinzipiell betreue ich Hunde – egal ob in der Tagesbetreuung oder in der Pension mit Übernachtung – ausschließlich nach einer erfolgreichen Eingewöhnung. Im Grunde ist das ein bisschen wie im Kindergarten. Am Anfang steht ein gemeinsamer Spaziergang mit dem Besitzer, damit wir uns erst einmal kennenlernen. Danach folgen mehrere stundenweise Termine in der Betreuung und zum Abschluss eine Probeübernachtung. So bekommen die Hunde ausreichend Zeit, sich an uns, unsere Hundegruppe und unsere täglichen Abläufe zu gewöhnen.
Was viele Menschen unterschätzen, ist die mentale Belastung. Gerade Hunde, die zu Hause Einzelhunde sind, müssen erst lernen, plötzlich den ganzen Tag Teil einer Hundegruppe zu sein. Das bedeutet nicht nur spielen und spazieren gehen, sondern vor allem ständig mit anderen Hunden zu kommunizieren, sich anzupassen und auch wieder zur Ruhe zu kommen. Runterzufahren und in einer Gruppe wirklich entspannen zu können, muss für viele Hunde tatsächlich erst gelernt werden.
Natürlich bewegen wir uns auch sehr viel. Wir unternehmen täglich ausgedehnte Spaziergänge in der Gruppe und sind dabei ganz normalen Außenreizen wie Radfahrern, Joggern, Wildgerüchen oder anderen Hunden ausgesetzt. Das ist eine wertvolle Alltagsauslastung und gleichzeitig ein wichtiger Teil des sozialen Lernens.
Mindestens genauso wichtig wie die Bewegung sind für mich aber die Ruhephasen. Ein Hund, der nach einem aktiven Spaziergang gemeinsam mit anderen Hunden entspannen kann, nimmt unglaublich viel für seinen Alltag mit. Genau diese Mischung aus Aktivität, Sozialkontakt und Erholung sorgt dafür, dass die Hunde am Ende ihres Aufenthalts nicht einfach nur müde sind, sondern ausgeglichen und zufrieden nach Hause gehen.
Hundefütterung und Nahrungsergänzung im Alltag
Marcel:
Du siehst mehr Futternäpfe als andere Leute Netflix-Folgen: Welche drei Fütterungsfehler begegnen dir bei Hunden am häufigsten?
Tina:
Dadurch, dass die Besitzer in der Betreuung das Futter für ihre Hunde selbst mitbringen, bekomme ich einen ziemlich guten Einblick in die unterschiedlichsten Fütterungsformen. Da ist wirklich alles dabei – vom klassischen Trockenfutter über Nassfutter, BARF und selbst gekochte Rationen bis hin zu den unterschiedlichsten Kombinationen. Wir füttern dabei selbstverständlich genau nach den Vorgaben der Besitzer.
Was mir dabei am häufigsten auffällt, ist tatsächlich das Thema Übergewicht. Viele Menschen meinen es einfach zu gut mit ihren Hunden und verlieren mit der Zeit ein bisschen den Blick dafür, wie ein gesunder, schlanker und körperlich belastbarer Hund eigentlich aussehen sollte. Ich glaube, wir haben uns leider an übergewichtige Hunde gewöhnt. Wenn heute ein Hund Idealgewicht hat, wird er von vielen Menschen schon als zu dünn bezeichnet. Dabei ist ein normales Körpergewicht eine der wichtigsten Grundlagen für Gesundheit – ganz egal, ob Familienhund oder Sporthund.
Ein weiterer Punkt ist die Futterqualität. Natürlich muss nicht jeder das teuerste Futter kaufen. Trotzdem sehe ich immer wieder sehr günstige Futtersorten aus dem Supermarkt mit einem geringen Fleischanteil und vielen Füllstoffen. Eine gute Ernährung ist für mich die Basis für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden.
Und was ich ebenfalls häufig beobachte, sind ständige Futterwechsel. Sobald der Hund einmal etwas weicheren Kot hat oder einen Tag schlechter frisst, wird direkt ein anderes Futter ausprobiert. Dabei braucht der Verdauungstrakt oft einfach etwas Zeit. Ich bin eher ein Freund davon, den Hund genau zu beobachten und nicht bei jeder Kleinigkeit sofort alles umzustellen.
Marcel:
Öl hier, Pulver da, Gelenkzeug obendrauf: Welche Nahrungsergänzungen bringen Besitzer mit – und wann wird aus Fürsorge eher Aktionismus?
Tina:
Da kommt wirklich alles zusammen. Von verschiedenen Ölen über Gelenkpräparate bis hin zu Produkten für Darm, Haut oder Fell. Wir richten uns dabei selbstverständlich nach den Vorgaben der Besitzer und geben genau das, was mitgebracht wird.
Manchmal ist das tatsächlich ein kleiner organisatorischer Aufwand. Wir wiegen Zusätze ab, mischen verschiedene Präparate zusammen und holen bei Bedarf sogar den Mörser raus, damit Tabletten oder Pulver überhaupt gefressen werden. Da machen wir wirklich einiges möglich.
Grundsätzlich finde ich Nahrungsergänzungen absolut sinnvoll – wenn sie gezielt eingesetzt werden. Ein älterer Hund hat andere Bedürfnisse als ein Sporthund oder ein Junghund. Dann können bestimmte Zusätze eine tolle Unterstützung sein.
Manchmal frage ich mich aber schon, ob wirklich alles notwendig ist. Ich hatte einmal einen deutlich übergewichtigen Hund in der Betreuung. Er bekam ein Futter mit viel Zellulose und Reis, dazu Öl, verschiedene Nahrungsergänzungen und zusätzlich noch ein sehr fetthaltiges Nassfutter. Weil er davon regelmäßig Durchfall bekam, wurde prophylaktisch gleich noch etwas gegen den Durchfall gegeben. Da denke ich mir manchmal: Vielleicht wäre es sinnvoller, erst einmal das Gesamtkonzept zu hinterfragen, anstatt immer noch ein weiteres Produkt hinzuzufügen.
Marcel:
Wenn der Futterplan langsam aussieht wie ein Chemie-Leistungskurs: Wie organisierst du mehrere Zusätze pro Hund sicher und sinnvoll?
Tina:
Organisation ist da tatsächlich alles. Gerade wenn mehrere Hunde unterschiedliche Zusätze bekommen, muss man den Überblick behalten. Deshalb ist es für uns wichtig, dass alle Präparate eindeutig beschriftet sind und wir genau wissen, wann und in welcher Menge sie gegeben werden sollen.
Natürlich werden alle Hunde einzeln gefüttert. So können wir sicherstellen, dass auch wirklich genau das in dem jeweiligen Hund landet, was für ihn vorgesehen ist – und nicht versehentlich beim Nachbarhund.
Wir halten uns dabei an die Vorgaben der Besitzer. Ob Kapseln, Pulver, Öle oder Tabletten – jeder Hund bekommt genau das, was für ihn vorgesehen ist. Manche Hunde machen es uns dabei allerdings nicht ganz leicht. Dann wird gemörsert, untergemischt oder auch mal etwas kreativer gearbeitet, damit am Ende wirklich alles im Hund landet.
Ich freue mich aber immer, wenn die Fütterung und die Nahrungsergänzungen möglichst übersichtlich gehalten sind. Das macht es nicht nur für uns einfacher, sondern hilft oft auch dabei, den Überblick zu behalten, falls sich am Hund einmal etwas verändert. Wenn zehn verschiedene Produkte gleichzeitig gefüttert werden, ist es am Ende schwer zu beurteilen, was tatsächlich einen positiven Effekt hat.
Deshalb wünsche ich mir von den Besitzern vor allem einen klaren Fütterungsplan. Dann können wir jeden Hund während seines Aufenthalts genauso versorgen, wie er es von zu Hause gewohnt ist.
Fairer Hundesport statt Medaillenjagd
Marcel:
Richterbrille auf: Woran erkennst du im Turnierhundesport Teams, die langfristig fair, gesund und erfolgreich gemanagt werden?
Tina:
Mir geht es auch im Hundesport in erster Linie um einen fairen Umgang mit dem Teampartner Hund. Für mich steht immer zuerst die Beziehung zwischen Mensch und Hund. Danach kommt die Freude an der gemeinsamen Arbeit – und erst dann der sportliche Erfolg.
Genau das erkennt man oft schon, bevor ein Team überhaupt startet. Natürlich dürfen Hunde in der besonderen Atmosphäre eines Turniers auch aufgeregt sein oder hochfahren. Das gehört zum Sport einfach dazu. Entscheidend ist für mich aber, wie das Team damit umgeht. Kann der Mensch seinen Hund fair durch die Situation führen? Findet der Hund immer wieder Orientierung bei seinem Menschen? Dann ist das für mich ein Zeichen einer guten Zusammenarbeit.
Natürlich spielen auch eine gute Kondition, ein gesunder Bewegungsapparat, passende Muskulatur und eine vernünftige Regeneration eine große Rolle. Aber all das baut auf einer fairen Ausbildung auf. Gute Leistungen entstehen nicht durch Druck, sondern durch Vertrauen, Konsequenz und ein durchdachtes Training.
Für mich sind die schönsten Teams deshalb nicht unbedingt die schnellsten. Es sind die Teams, bei denen man sieht, dass Mensch und Hund gerne zusammenarbeiten und beide Freude an dem haben, was sie gemeinsam tun. Genau das ist für mich echter Hundesport.
Marcel:
Und wo denkst du innerlich: „Puh, das wird auf Dauer sportlich“ – nur leider nicht im positiven Sinn?
Tina:
Für mich gehört zum Hundesport vor allem eins: Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehört auch, ehrlich zu beurteilen, ob die Bedingungen an einem Wettkampftag für den eigenen Hund überhaupt passen. Wenn ich der Überzeugung bin, dass sie es nicht tun, dann starte ich nicht.
Genau das habe ich selbst schon getan. Ich habe einen Start bei einer VDH-Deutschen Meisterschaft zurückgezogen, weil ich die damalige Geländelaufstrecke für meinen Hund als zu gefährlich eingeschätzt habe. Das war sicherlich keine leichte Entscheidung, aber für mich selbstverständlich. Die Gesundheit meines Hundes steht immer über jeder Platzierung oder Medaille.
Ein weiterer Punkt ist, dass viele Teams heute zu schnell zu viel wollen. Der Hund ist gerade erst im Training und schon soll das erste Turnier gelaufen werden. Dabei schleichen sich häufig Fehler ein, die sich später nur schwer wieder korrigieren lassen. Ich bin ein großer Freund davon, sich Zeit für eine saubere Ausbildung zu nehmen. Ein stabiles Fundament zahlt sich langfristig immer aus.
Ich glaube, genau darin zeigt sich verantwortungsvoller Hundesport. Es geht nicht darum, möglichst viele Turniere zu laufen oder möglichst schnell erfolgreich zu sein. Es geht darum, den eigenen Hund langfristig gesund zu halten und gemeinsam als Team zu wachsen. Ein guter Hundesportler erkennt für mich nicht nur, wann sein Hund starten kann – sondern auch, wann er ihn besser schützt und auf einen Start verzichtet. Ein Wettkampf lässt sich jederzeit nachholen. Die Gesundheit, das Vertrauen und die Freude unseres Hundes an der gemeinsamen Arbeit nicht.
Sporthunde gesund und belastbar halten
Marcel:
Sporthunde belastbar halten, ohne sie direkt bei CrossFit anzumelden: Was sind deine wichtigsten Stellschrauben?
Tina:
Für mich ist die Basis ganz klar die Alltagsbewegung. Meine Hunde sind jeden Tag viel draußen unterwegs – unter zwei Stunden Gassi gibt’s eigentlich nie. Meistens im Freilauf, mit ganz normalen Umweltreizen. Dazu kommen Sachen wie Wandern, Joggen, am Fahrrad laufen, Schwimmen oder einfach zusammen spielen. Diese Mischung macht für mich den größten Unterschied.
Darauf baut dann das gezielte Training auf. Je nach Hund geht’s da um Muskelaufbau, Ausdauer, Koordination und natürlich das, was sie für ihren Sport brauchen. Mir ist wichtig, dass sie ihren Körper sinnvoll einsetzen können und nicht einfach nur „fit“ sind.
Genauso wichtig ist aber auch die Regeneration. Ohne ausreichend Ruhe geht einfach nichts. Deshalb gehören Pausen bei uns genauso dazu wie die aktiven Einheiten.
Ein weiterer Punkt ist die Ernährung. Meine Hunde bekommen hochwertiges Futter, das individuell auf sie abgestimmt ist. Gerade bei sportlichen Hunden merkt man da echt schnell, wie viel das ausmacht.
Und last but not least: die medizinische Betreuung. Ich habe einen Tierarzt, dem ich voll vertraue, und gehe regelmäßig zur Physio – natürlich für die Hunde. Diese Kombi sorgt einfach dafür, dass sie langfristig gesund und belastbar bleiben.
Marcel:
Vor dem Turnier noch schnell den kompletten Napf neu erfinden – geniale Idee oder Garant für Bauchgrummeln? Bist du Team Konstanz?
Tina:
Ganz klar: Team Konstanz.
Ich bin kein Freund davon, ständig das Futter zu wechseln oder kurz vor einem Wettkampf noch etwas Neues auszuprobieren. Der Verdauungstrakt und der gesamte Organismus profitieren von einer konstanten Fütterung. Wenn ein Hund gesund ist, leistungsfähig bleibt und sein Futter gut verträgt, gibt es für mich keinen Grund, daran etwas zu ändern.
Natürlich gibt es nach einer besonders harten oder anstrengenden Trainingseinheit auch mal etwas zusätzlich. Das gehört für mich einfach dazu und unterstützt die Regeneration. Im Großen und Ganzen bleibt die Fütterung aber konstant.
Meine Hunde haben allerdings auch so gut wie nie komplette „Faultage“, an denen ich das Futter deutlich reduzieren müsste. Durch die viele Alltagsbewegung, das Training und den Hundesport ist der Energieverbrauch ohnehin dauerhaft hoch. Wir sind deshalb eher die Fraktion: „Reinstopfen, was vertragen wird.“ 😄
Trotzdem bekommt nicht jeder Hund das Gleiche. Jeder meiner Hunde ist anders und verträgt andere Dinge gut. Deshalb passe ich die Ernährung individuell an den jeweiligen Hund an. Was für den einen perfekt funktioniert, muss für den nächsten noch lange nicht die beste Lösung sein.
Für mich ist Ernährung nichts Kurzfristiges, sondern ein wichtiger Baustein für die langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit meiner Hunde. Konstanz, Individualität und genaues Beobachten sind dabei für mich der Schlüssel.
Sinnvolle Zufütterung und Nahrungsergänzung beim Hund
Marcel:
Ohne aus dem Futternapf eine Supplement-Apotheke zu machen: Welche Wirkstoff-Themen deckst du gezielt über Zufütterung ab?
Tina:
Tatsächlich bin ich auch hier eher zurückhaltend. Ich füttere meinen Hunden nicht grundsätzlich irgendwelche Zusätze zu, nur weil sie Sport machen oder gerade ein neues Produkt auf den Markt gekommen ist. Für mich steht immer die Frage im Vordergrund: Braucht der Hund das überhaupt?
Wenn gesundheitliche Gründe vorliegen, sieht das natürlich anders aus. Einer meiner Border Collies hat beispielsweise massive Magen-Darm-Probleme. Er bekommt selbstverständlich täglich die Unterstützung, die er braucht. Das hat aber einen klaren gesundheitlichen Hintergrund und ist keine pauschale Nahrungsergänzung.
Grundsätzlich ergänze ich lieber mit natürlichen Lebensmitteln als mit fertigen Produkten. Lachsöl gehört bei meinen Hunden tatsächlich regelmäßig dazu. Je nach Situation gibt es nach einer intensiven Belastung auch mal ein Ei oder Hüttenkäse. Und wenn ein Hund Unterstützung für den Magen-Darm-Trakt braucht, arbeite ich lieber mit bewährten Dingen wie Reis oder einer Moroschen Karottensuppe, bevor ich direkt zum nächsten Präparat greife.
Ich bin da überhaupt nicht dogmatisch. Entscheidend ist für mich nicht die Fütterungsform oder das Produkt, sondern dass sie zum jeweiligen Hund passt und dauerhaft gut vertragen wird. Eine hochwertige Grundfütterung ist für mich die Basis – alles Weitere ergänze ich gezielt und nur dann, wenn es wirklich sinnvoll ist.
Marcel:
Echter Effekt oder Placebo für den Menschen am anderen Ende der Leine: Woran erkennst du, ob eine Zufütterung wirklich zum Hund passt?
Tina:
Am Hund.
Für mich ist das tatsächlich die einzig ehrliche Antwort. Der Hund zeigt mir ziemlich deutlich, ob ihm etwas guttut oder eben nicht. Deshalb beobachte ich meine Hunde sehr genau und verlasse mich nicht auf Werbeversprechen oder darauf, was gerade im Trend ist.
Ich achte auf viele kleine Dinge. Wie ist die Verdauung? Wie sieht das Fell aus? Wie bewegt sich der Hund? Erholt er sich nach Belastung gut? Ist er fit, leistungsbereit und macht insgesamt einen zufriedenen Eindruck? All diese Faktoren ergeben für mich das Gesamtbild.
Wenn ich über einen längeren Zeitraum eine positive Veränderung beobachten kann und andere Ursachen ausgeschlossen sind, dann hat die Ergänzung für mich ihren Zweck erfüllt. Sehe ich dagegen überhaupt keinen Unterschied, frage ich mich ganz ehrlich, ob der Hund dieses Produkt überhaupt braucht.
Ich glaube, wir Menschen neigen manchmal dazu, uns von schönen Versprechen auf Verpackungen oder in der Werbung begeistern zu lassen. Hunde sind da deutlich ehrlicher. Sie zeigen uns jeden Tag, ob etwas funktioniert oder nicht. Genau deshalb ist für mich nicht entscheidend, was auf dem Etikett steht, sondern was am Ende beim Hund ankommt.
Der Hund ist für mich deshalb immer der beste Indikator. Er kann uns nichts vormachen – und genau das macht seine Rückmeldung so wertvoll.
Marcel:
Zum Abschluss die wirklich harte Frage: Wie viele Schritte braucht es, bis deine Garmin endlich aufhört, dich als unproduktiv zu beleidigen?
Tina:
Meine Garmin Fenix und mich verbindet eine echte Hassliebe. Im Durchschnitt laufe ich rund 41.000 Schritte am Tag – das sind knapp 290.000 Schritte pro Woche. Über das letzte Jahr waren das sogar über 15 Millionen Schritte beziehungsweise mehr als 11.000 Kilometer.
Das liegt aber gar nicht daran, dass ich irgendwelchen Schrittzielen hinterherlaufe. Es ist einfach mein Alltag. Die Hundepension, die täglichen großen Gassirunden, das Training mit meinen eigenen Hunden und mein eigenes Lauftraining sorgen ganz automatisch dafür.
Bewegung gehört für mich einfach zum Leben.
Und trotzdem schafft sie es regelmäßig, mir zu sagen, ich wäre heute unproduktiv. 😂 Ich weiß bis heute nicht, was ich ihrer Meinung nach noch alles machen müsste.
Was wir von Tina mitnehmen können
Gute Hundebetreuung beginnt nicht mit möglichst viel Action, sondern mit einer sauberen Eingewöhnung, individuellen Bedürfnissen und echten Ruhephasen. Dasselbe gilt für Training und Ernährung: Eine hochwertige Basis, klare Abläufe, gezielte Ergänzungen und ein ehrlicher Blick auf den eigenen Hund bringen langfristig oft mehr als jeder kurzfristige Trend. Egal ob Hundepension, Turnierhundesport, CaniCross oder Hundefütterung: Immer wieder zeigt sich derselbe Gedanke. Erfolgreiche Teams entstehen nicht durch Abkürzungen, sondern durch Vertrauen, Fairness, Konsequenz und die Bereitschaft, den eigenen Hund wirklich zu beobachten. Oder etwas weniger fachlich formuliert: Nicht alles, was sich in den Napf schütten lässt, muss auch hinein. Und nicht alles, was schnell Erfolg verspricht, bringt langfristig wirklich weiter.
Vielen Dank für das tolle Interview
An dieser Stelle möchten wir uns als FUTTERSHOP.de-Team herzlich bei Tina für die vielen spannenden Einblicke, die offenen Antworten und ihre langjährige Erfahrung rund um Hundepension, Hundeschule, Hundesport und Ernährung bedanken. 💚
Wenn ihr mehr über Tina und ihre Arbeit erfahren möchtet, schaut gerne auf ihrer Website vorbei: Website: https://www.bei-nichts-geht-mehr.de
Und wenn ihr keinen ihrer Hundealltage, Trainingsmomente oder sportlichen Aktivitäten verpassen möchtet, dann folgt ihr auch auf Instagram.
Instagram: @bei_nichts_geht_mehr
Wir sagen Danke für dieses tolle Interview und freuen uns schon auf viele weitere Einblicke aus Tinas Hunde-Welt sowie auf den nächsten Interviewpartner / die nächste Interviewpartnerin von Marcel aka @unleash_dogsport.